So, nun bin ich wieder zurück aus China, leide noch unter der Zeitverschiebung (war heute morgen um fünf hellwach, könnte aber ohne Probleme abends um sieben schlafen gehen) und bin so voller Eindrücke, Bilder, Erinnerungen, Impressionen (hm, das ist dasselbe wie Eindrücke, oder?), dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Ich werde einfach versuchen, meine (natürlich absolut subjektiven!) Eindrücke unter groben Stichpunkten wiederzugeben und ein paar Fotos dazuzustellen, die sagen oft mehr als tausend Worte.
Shanghai...... ist riesig, laut, heiss, smogverhangen, sehr modern und für eine chinesische Stadt sehr westlich. Es hatte 32°, als wir dort ankamen, die Luft war zum Schneiden, aber natürlich gibt es überall Klimaanlagen, die auf gefühlte 15° eingestellt sind, es ist ein Wunder, dass ich mich nicht erkältet habe. Das Hotel war der pure Luxus und gar nicht mal so teuer:


Hier ein Foto, das eine recht gute Idee vom Smog vermittelt - dazu möge man sich bitte 32° im Schatten vorstellen:

Ich habe es vermieden, mich allzu weit vom Hotel zu entfernen, dazu hatte ich viel zu grosse Angst, mich zu verlaufen. Die Schilder in China hätten mir in einem solchen Fall nämlich auch nicht wirklich weitergeholfen:
Der Verkehr...... ist absolut chaotisch, aber trotzdem irgendwie auf eine gewisse Art und Weise entspannt. So habe ich als passive Verkehrsteilnehmerin es zumindest empfunden. Es gibt keine wirklichen Verkehrsregeln so wie bei uns, jeder fährt oder läuft irgendwie vor sich hin und versucht sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen. Eigentlich funktioniert alles nach dem Einfädelprinzip - man fädelt sich immer irgendwie und irgendwo ein, ganz egal, ob man Autofahrer, Radfahrer oder Fussgänger ist. Und warum die Ampeln eigentlich in China rumstehen, das habe ich auch noch nicht so ganz verstanden. Das Ganze geht aber natürlich nicht lautlos vonstatten - es wird eigentlich permanent gehupt. Immerzu. Der längste Zeitraum, in dem ich in Shanghai keine Hupe gehört habe, betrug ca. 3 Sekunden. Das Hupen wird aber in China nicht als aggressiv empfunden, es heisst eher soviel wie "Hallo, hier komme ich, lässt du mich bitte rein/ durch/ vorbei? Danke!" Ich würde mich als Radfahrer mit Sicherheit nicht auf die chinesischen Strassen trauen, aber ich habe auch nie gesehen, dass einer umgefahren wurde. Auf eine ganz gewisse und andere Weise haben die chinesischen Verkehrsteilnehmer viel Respekt voreinander, man passt gegenseitig auf sich auf im Chaos, ganz egal, ob man nun einen dicken Mercedes fährt oder ein uraltes, verrostetes Rad, das hat mir gefallen und mich irgendwie berührt.
Das Essen...... ist
ganz anders als das chinesische Essen, das wir in Europa beim Chinesen serviert bekommen. Ich sage es ehrlich, ich konnte mich nicht überwinden, alles zu probieren, vieles sah einfach zu befremdlich aus. Es bestellt nicht jeder ein einzelnes Gericht, sondern es werden ganz viele kleine Gerichte bestellt, die dann gemeinsam gegessen werden. Im Restaurant wird von demjenigen, der einlädt, das komplette Essen bestellt.
Traditionell isst man "solange das Geld reicht" Fleisch und Fisch, und erst, wenn das Budget verbraucht ist und noch jemand Hunger hat, wird Reis bestellt. Deswegen ist es eigentlich unmöglich, gleich zu Anfang Reis zu bekommen. Selbst wenn man gleich Reis bestellt, bringen sie ihn oft erst, wenn alles andere aufgegessen ist. Und dann brauche ich ihn auch nicht mehr, deswegen habe ich nach den ersten zwei Tagen einfach auf den Reis verzichtet. Die Gerichte kommen nach und nach, immer mehr und mehr werden auf die Glasplatte, die in der Mitte des Tisches steht und sich dreht, gestellt, irgendwann ist kein Platz mehr, aber es kommt immer noch mehr und mehr nach, deswegen stellt man die Schüsseln dann einfach kreuz und quer übereinander, was in etwas so aussieht:

Wir hatten auch das Privileg, zu einer Hochzeit eingeladen zu werden. Vor dem eigentlichen Essen wurden Snacks serviert, die auf der Mitte eines jeden Tisches standen. Der Teller mit den "Snacks" (ähem) sah so aus:

Muss ich extra erwähnen, dass es in China kein Rauchverbot gibt? ;-)
Es rauchen nur die Männer, Frauen nicht, eine Frau ist unten durch, wenn sie raucht. Es wird permanent und überall geraucht, auch während des Essens. Ich habe mir immer nur mantramässig vorgesagt, es ist nur eine Woche, Hase, das hältst du durch, nur eine Woche, und danke, dass wir in Europa das Rauchverbot haben und rauchfrei essen dürfen.
Hier noch zwei Fotos vom Essen:


Ich möchte noch erwähnen, dass ich keinen einzigen übergewichtigen Chinesen und keine einzige übergewichtige Chinesin gesehen habe. Die sind
alle schlank.
Die chinesischen "Kleinstädte"...... sind riesig! ;-)
Ich verwende das Wort "Kleinstadt" mit einer gewissen Ironie und doch auch wieder nicht. Wir waren neben Shanghai in zwei Städten in der Provinz, die jeweils 1 bis 3 Millionen Einwohner hatten, und die Chinesen bestanden absolut insistent darauf, dass es sich dabei um
Kleinstädte handelte. Als richtige Stadt zählt in China erst eine, die über 10 Millionen Einwohner hat.
Ich persönlich fand die Provinz und die "Kleinstädte" (*hust*) als sehr viel faszinierender als Shanghai, weil man dort das wirkliche chinesische Leben sieht. Ich lasse einfach ein paar Fotos sprechen, aber ich muss unbedingt die Geschichte erzählen, die mich am meisten fasziniert hat. In Jinzhou, einer
Kleinstadt ;-) nordöstlich von Peking, beschloss ich an einem Nachmittag, an dem ich ausnahmsweise ein wenig Zeit hatte, ein bisschen durch die Strassen zu schlendern und die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Diese Stadt hat keinerlei Tourismus und es kommen nicht viele Auswärtige dorthin. Ich schlenderte gemütlich vor mich hin, machte ein paar Fotos, als mir auf einmal auffiel, dass mich jeder, aber wirklich ohne Übertreibung absolut jeder, der an mir vorbeikam, anstarrte. Unverhohlen und mit grossem Interesse.
Alle. Männer, Frauen, alt, jung. Ich wurde angestarrt wie ein Marsmensch. Ich kam mir vor wie Britney Spears, die in München über den Marienplatz spaziert. Bis mir klar wurde, dass das nichts mit meinem Berühmtheitsgrad in China zu tun hat, sondern einfach nur daher rührt, dass die Menschen in Jinzhou so gut wie nie westliche Gesichter zu sehen bekommen. Ich war die Attraktion. Erst fand ich es ein bisschen gruselig, dieses unverhohlene Angestarrtwerden von allen Seiten, aber schnell wurde mir klar, dass die nichts taten, die wollten nur spielen, bzw. gucken und am Abend daheim stolz erzählen, dass sie heute ein Rundauge gesehen haben. Jugendliche, die an mir vorbeiliefen, stiessen sich gegenseitig kichernd an und zeigten mit den Fingern auf mich. Ich fand es köstlich amüsant und fragte mich die ganze Zeit, wie es wohl wäre, wenn ich blond wäre? Mit meinen dunklen Haaren falle ich ja gar nicht so sehr auf? Die Antwort auf diese Frage bekam ich noch am selben Abend, als ich gemeinsam mit meinem englischen Kollegen, der rote Haare und Sommersprossen hat, ein Restaurant in Jinzhou betrat. Wir hatten kaum das Restaurant betreten, als wir von mehreren Seiten entzücktes Auflachen hörten, und dazu mehrere Chinesen, die völlig ungläubig mit den Fingern auf uns deuteten. Das war einfach putzig!
Hier noch diverse Impressionen von Jinzhou:









Sonstiges Bemerkenswertes...In China ist es normal, laut (!) den Schleim aus den Lungen zu holen und auszuspucken, egal jemand direkt daneben steht oder nicht. Überall macht man das. Im Flughafen wird dann netterweise eben nicht auf den Boden, sondern in den Abfalleimer gespuckt. Ich wurde vor der Reise vor diesem Phänomen gewarnt und war darauf vorbereitet, aber die ersten Male zuckt man doch zusammen, wenn man das hört. Nach einer Weile ist es dann allerdings fast normal und man achtet nicht mehr (ganz so sehr) darauf.
Hier ein Bild von einem kleinen Mädchen bei der Hochzeit, das ich am liebsten gefressen hätte, weil ich es soooo putzig und bildhübsch fand:

Die Trauung:

Ich könnte noch tausend Sachen erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Nur noch soviel, es war eine unglaublich bereichernde, tolle und spannende Erfahrung.
P.S. Leider muss ich die Wortbestätigung für Kommentare wieder aktivieren, da ich seit der Veröffentlichung dieses Beitrags absolut zugespammt werde.