Samstag, 10. November 2007

Eine extrem schnuckelige Laufveranstaltung - wer ist dabei?

Am Mittwoch war unser schöner Marathonurlaub dann leider wieder zu Ende, ich musste unwiederbringlich zurück ins Büro. Im Laufe des Vormittags ging ich meinen Kollegen in der Personalabteilung besuchen, der auch passionierter Läufer ist, um ihm von meinem letzten Marathon zu erzählen. Die ganze Personalbelegschaft war gerade zur Kaffeepause in seinem Büro versammelt, als ich dazustieß, und so erzählte ich ganz beiläufig, "übrigens, ich bin wieder Marathon gelaufen." Darauf erwiderte mein Kollege, "ja, klar, weiß ich doch.... in Berlin?", und ich, "nö, letzten Sonntag, im Elsass!" - "Du spinnst!" - "Ja, vielleicht, aber es war genial, und eine neue Bestzeit ist dabei auch herausgesprungen, 4:24!" - "Wow, genial! Du spinnst! Super, Glückwunsch, ich freu mich für dich!" Seine Bewunderung und Freude war absolut ehrlich, was ich umso mehr zu schätzen weiß, da er selbst den Marathon in unter drei Stunden läuft. So unterhielten wir uns über den Elsass-Marathon und über Marathon im allgemeinen, bis sich irgendwann die Personalchefin, die die ganze Zeit dabeigestanden war und aufmerksam zugehört hatte, einschaltete und mit den Worten an mich wandte, "verstehe ich das richtig, dass Sie dieses Jahr schon viermal Marathon gelaufen sind? Das wäre doch ein Interview und einen Artikel in unserem monatlichen Magazin wert?" Ich lächelte nur, "hm ja, klar...", pfff, ausgerechnet ich in unserem monatlichen Magazin, gehts noch. Das sagt die doch nur so daher.
Ich hatte die Begebenheit dann auch genauso schnell wieder vergessen, bis ich gestern kurz vor Büroschluss einen Anruf von einer weiteren Kollegin bekam, "du, ich habe einen Auftrag, ich soll dich ganz offiziell für unsere Firmenzeitschrift interviewen, mit Foto... passt es dir am Montag nachmittag?" Mir fiel erstmal der Hörer aus der Hand. Ich war mir wirklich sicher gewesen, dass die Personalchefin das nur so dahingesagt hatte. Öhm. Na gut, erzähle ich halt am Montag ein bisschen was über mein bewegtes läuferisches Jahr 2007.... warum auch nicht ;-)

Und jetzt noch etwas ganz anderes, speziell für Lizzy und natürlich auch für alle anderen, die das interessieren könnte. Am Vorabend des Marathons, als Charly und ich unsere Startnummer abholten, war da auch ein Stand, der für einen anderen Marathon im Elsass, nämlich den Marathon du Vignoble d'Alsace warb.
Alles, was ich bisher über diese Laufveranstaltung gehört und gelesen habe, hat mir extremste Lust gemacht, daran teilzunehmen. Wenn es nur irgendwie geht, werde ich dabeisein, und Charly hoffentlich hoffentlich auch.
Und du, Lizzy?

Datum ist der 21./22. Juni 2008. Es gibt einen Marathon, einen Halbmarathon, einen 10-km-Lauf und mehrere Kinderläufe mit unterschiedlichen Distanzen. Die Strecke führt mitten durch die schönsten Weinberge des Elsass, und nach dem, was ich am Sonntag erlebt habe, vertraue ich darauf, dass auch hier die Zuschauer einfach nur erste Klasse sein werden. Am Abend vorher findet nicht etwa eine Pasta-Party statt, nein, im Elsass heißt das anders - nämlich Spätzle-Party. Für reichliche Animationen an der Strecke ist gesorgt, neun Bands spielen an diversen Stellen und machen Stimmung, und auch um die läuferische Verpflegung muss man sich natürlich keinerlei Sorgen machen, aber was das Beste ist - es gibt nicht nur Wasser und Cola und Tee und Trockenobst und Schokolade und Müsliriegel und Lebkuchen, nein, es gibt auch an 12 Punkten der Strecke ein sogenanntes "ravitaillement gastrovinique", das heißt, die verschiedenen Weinsorten der Gegend können ausgiebig gekostet werden *hicks*. Es handelt sich hier also ganz eindeutig, darauf muss ich insistent hinweisen, um keine Bestzeitenstrecke ;-)
Es gibt wohl auch an jedem Kilometer irgendeinen anderen Oldtimer zu bewundern, vielleicht fährt der einen dann auch ins Ziel, wenn man vor lauter Weinkosten und Zickzackstolpern dem Ziel nicht mehr wirklich näherkommt. Auch Pferde werden, ähnlich wie die Oldtimer, zur Schau geboten. Es gibt also richtig viel zu sehen, zu hören und zu schmecken.
Ich bin ganz hin und weg von der Aussicht auf diesen Marathon und freue mich jetzt schon darauf. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Laufveranstaltung eine ernstzunehmende Alternative zum Médoc-Marathon darstellt, bei dem es ja auch ordentlich Bordeaux-Wein zu degüstieren gibt und der aber schon fast ein bisschen zu überlaufen ist. Der Marathon du Vignoble d'Alsace findet 2008 erst zum zweiten Mal statt und ist sicher noch etwas familiärer - hoffe ich.

Hier ist der Link zu dieser extrem einladenden Veranstaltung, die ganze Seite ist ganz im Sinne des Elsass in einem netten deutsch-französischen Mischmasch geschrieben.

Und hier kann man beim Scrollen über die diversen grünen Stichpunkte in der Liste Näheres über die Animationen an der Strecke erfahren.

Na, wär das nicht wunderschön? Wer von euch ist dabei? Ich, sofern ich das heute schon sagen kann, auf jeden Fall!

Dienstag, 6. November 2007

Ja, ist denn schon wieder Marathon - ?

Am Dienstag, dem 30. Oktober um Punkt 17 Uhr verlasse ich mein Büro mit dem Wissen, dass ich fast eine ganze Woche Urlaub vor mir habe. Ich freue mich. Mein Charly ist bei mir. Und wir wollen ins Elsass fahren, um dort am Sonntag gebührend seinen 40. Geburtstag zu feiern - natürlich mit einem netten Marathönchen als Sahnehäubchen.
(Zu dem ich mich auch angemeldet habe, übrigens. Was wohl keinen wirklich erstaunt.)

Am Freitag fahren wir also los ins elsässische Jura. Noch am selben Abend schauen wir uns das schöne Basel an, und am Samstag ist das, wie ich finde, noch schönere Colmar dran. Ich kannte Colmar zwar schon, bin aber wieder aufs neue restlos begeistert, wie bildschön es ist. Auch Charly ist sehr angetan, und das nicht nur wegen der leckeren Flammkuchen, die es dort gibt. Hier wollen wir wohnen, haben wir beschlossen.







Sonntagmorgen.
Ja, ist denn schon wieder Marathon - ?
Aber erstmal wird mein Charly zum Geburtstag mit all meiner Liebe überschüttet. Die kriegt er zwar jeden Tag, aber zum 40. gibt es dann doch noch mehr davon, ich hab da noch so einiges in Reserve. Wir frühstücken gemütlich, es gibt leckeres Baguette und Brioche mit Marmelade und Nutella, das nenn ich ordentliches Carboloading, und dann fahren wir los nach Ferrette, wo der Start ist. Das Wetter ist mal so eine richtig trübe Suppe. Nebel, kühl, windig, leichter Nieselregen. Super. Ist aber nicht schlimm. Wir laufen ja bloß Marathon.
Wir stehen zusammen am Start, und wir verabschieden uns für die nächsten paar Stündchen, ich wünsche Charly einen wunderschönen Geburtstagslauf. Ich habe nämlich darauf bestanden, dass wir es heute getrennt angehen - Charly soll ja auch mal wieder einen Marathon in seinem eigenen Tempo laufen und nicht immer nur im Hasentempo.
260 Teilnehmer sind dabei, schön übersichtlich ist das. Nach dem Startschuss geht es flott über die Startlinie, und ich habe, anders als in Berlin, keine Angst davor, dass mir jemand in die Hacken läuft oder dass ich totgetreten werde. Ich sehe Charly von dannen ziehen und versuche mein eigenes Tempo zu finden, was aber irgendwie schwierig ist, da es erstmal ordentlich bergab geht. Ich laufe und sehe immer noch Charly vor mir, dank seiner knallroten Jacke behalte ich ihn wunderbar im Blick. Ganz langsam entfernt er sich weiter von mir. Kurz vor dem ersten Kilometerschild packt mich dann so eine unbändige Lust, ihm noch einen motivierenden Klaps auf seinen süßen Po zu geben. Das muss jetzt noch sein, und das brauch ich auch für mich, das wird mir Glück bringen für diesen Marathon. Also lege ich einen ordentlichen Zahn zu, um ihn wieder einzuholen. Na, Hase, ob das so schlau ist, noch vor dem ersten Kilometerschild gleich einen richtigen Sprint hinzulegen? Egal, ich muss zu Charlys Po, das ist jetzt erstmal mein Ziel. Ich passiere das erste Kilometerschild und schaue auf meine Uhr - öhm. Ziemlich haargenau 5 Minuten. Das ist zu schnell!! Aber ich mache ja gleich langsamer. Ich hole Charly ein und haue ihm richtig schön genüßlich auf seinen knackigen Läuferpo. Er fällt fast in Ohnmacht - "was machst denn DU hier ??!" - "Ich musste dir noch einen Glücksklaps geben. Jetzt lauf schön, ich bin dann jetzt auch wieder weg." Und damit lasse ich ihn endgültig ziehen.
Marathon macht Spaß. Das Schöne an diesem Marathon ist, dass er einerseits durch eine sehr schöne Herbstlandschaft führt, und andererseits durch ganze 14 Dörfer. Und bei jedem zusätzlichen Dorf, durch das ich laufe, bin ich immer mehr angetan und werde immer begeisterter - die Elsässer Zuschauer sind bombig. So etwas habe ich noch nie erlebt. In jedem Dorf (und es handelt sich hier um 200-Seelen-Käffer) stehen mehrere Gruppen von Leuten zusammen, jung und alt, alles dabei, und diese Leute geben einfach alles. Da wird absolut jedem einzelnen Läufer applaudiert, es wird gepfiffen, gejubelt, trompetet, die Menschen strahlen eine solche herzliche Begeisterung aus, sie scheinen sich riesig zu freuen, dass sie die Marathonläufer anfeuern dürfen und stören sich nicht im geringsten an dem Nieselregen, der nach wie vor fällt, dass es mir jedesmal ganz warm ums Herz wird und ich immer breiter grinsen muss. Ich bedanke mich bei den Gruppen, sage immer wieder, "merci... vous êtes super... c'est trop gentil... merci!", ich bin wirklich gerührt, und das wiederum freut die Zuschauer. Ganz oft bekomme ich zu hören, wie toll es ist, dass ich den Marathon mit einem Lächeln laufe, aber wie kann man bei solch einer herzlichen Kulisse nicht lächeln? Ich stelle fest, dass ich diese kleinen, familiären Marathons den Riesen-Stadtmarathons eindeutig vorziehe. Was brauche ich 40.000 andere Läufer um mich herum? Das brauche ich nicht. So ist das doch viel schöner.
Ich schaue natürlich regelmäßig bei jedem Kilometerschild auf die Uhr und bemerke, dass ich für einen Marathon - das sind 42,2 Kilometer, Hase! - eigentlich ein bisschen zu schnell unterwegs bin, aber es macht mir keine weiteren Sorgen, da es gut läuft. Aber als ich dann bei Kilometerschild 7 auf die Uhr schaue, werde ich dann doch nervös. Die Uhr sagt 39 Minuten und 55 Sekunden. 7 Kilometer in unter 40 Minuten - das ist schnell. Für meine Verhältnisse ist das sogar dann schnell, wenn ich nur 7 Kilometer laufe und keine 42. In diesem Moment sage ich mir: Hase, entweder läufst du heute eine neue Bestzeit, oder du wirst zum ersten Mal bei einem Marathon so richtig ordentlich einbrechen.
Lassen wir es auf uns zukommen.
Es geht dann genau in dem gleichen Schema weiter: ich genieße die schöne Elsässer Landschaft, in der ich alleine auf weiter Flur bin, und ich genieße in den Dörfern die herzlichen und motivierenden Zuschaueranfeuerungen. Das Publikum bleibt bis zum Schluss allererste Sahne.
Ab Kilometer 25 fangen meine Füße an, wehzutun, aber das kenne ich, ein Marathon ist nun einmal weit, das macht nichts. Ich schließe zu zwei Läufern auf, die mich bei Kilometer 5 überholt hatten. Ich höre, wie der eine dem anderen erklärt, "... du darfst nicht denken, dass nur du Schmerzen hast. Alle haben Schmerzen. Das ist Marathon, und Marathon tut weh. Du bist da nicht alleine. Diejenigen, die den Marathon in unter 3 Stunden finishen, haben Schmerzen, der, der als Letzter ins Ziel kommt, hat Schmerzen, und auch dieser Dame, die uns gerade überholt (er meinte mich), tut alles weh. Oder? Können sie mir das bestätigen? Tut Ihnen auch alles weh?" Ich nicke und sage, "ja, absolut. Klar. Keine Frage." Dazu grinse ich breit. Der Tröster will von mir wissen, ob das mein erster Marathon ist. Ich sage, nein, das ist mein vierter - und mein vierter dieses Jahr. Er zeigt sich beeindruckt und sagt mir, dass es für sie alle beide der erste sei. An dieser Stelle meldet sich zum ersten und zum einzigen Mal der andere Läufer, der glaubt, mit seinen Schmerzen allein zu sein, zu Wort: "Und es ist auch unser letzter, übrigens!!" Dann verfällt er wieder in Schweigen. Der Gesprächigere von den beiden will noch mehr Einzelheiten über meine anderen Marathons erfahren, und als ich erwähne, dass ich am 30. September in Berlin gelaufen bin, sagt er, oh, Berlin. Da habe er schon sehr viel davon gehört, und da müsse die Stimmung doch so unglaublich einmalig sein?, worauf ich erwidere, "nun, ich persönlich finde die Stimmung hier im Elsass viel netter und herzlicher", und das meine ich auch tatsächlich so.
Jetzt merke ich aber, dass mir das Tempo ein bisschen zu gemächlich wird, und ich verabschiede mich von den beiden und laufe vor.
Kilometer 26 bis 30 finde ich immer besonders fies. Man hat schon einen richtig langen Lauf hinter sich, aber eben auch noch ganz schön viel vor sich. Ab Kilometer 30 kann ich mich dann wieder besser motivieren, denn jetzt sind es ja nur noch 12 Kilometer, und 12 Kilometer gehen immer, irgendwie. Eine herrliche Ablenkung bieten auch immer die Verpflegungsstände. Die Versorger sind absolut herzlich und besorgt, "nicht nur trinken, essen Sie auch was, das ist wichtig!", und das lasse ich mir nicht zweimal sagen, denn das Bufett bietet wieder einmal alles. Es gibt nicht nur mein unschätzbar wertvolles Cola, sondern auch warmen Tee, Orangen, Kuchen, Trockenpflaumen, getrocknete Aprikosen, Lebkuchen, Schokolade, Müsliriegel.... ich halte mich aber ncht lange auf, da ich doch noch so ein bisschen die Uhr im Blick habe. Es könnte doch tatsächlich was werden mit der Bestzeit. Meine bisherige Würzburg-Bestzeit von 4:33 könnte ich tatsächlich knacken, und wenn es richtig gut läuft, wird es vielleicht sogar eine Sub-4:30, so eine nette 4:29 wär doch super? Schauma mal. Ich mag mir aber keinen Stress machen. Bei jedem zusätzlichen Kilometer tut es jetzt mehr weh. Ab Kilometer 35 kann ich es nicht anders sagen, mir reichts, es schmerzt, ich hab die Nase voll. Aber umdrehen wär jetzt auch blöd. Bei Kilometer 36 denke ich an Berlin und daran, wie ich geweint habe und nicht mehr konnte und nicht mehr wollte, und ich motiviere mich dadurch, indem ich mir sage, dass es mir doch heute um Klassen besser geht. Irgendwie kämpfe ich mich durch die letzten Kilometer, 38, 39, 40.... ich überhole noch ein paar Läufer, die mir alle "bravo" zurufen, als ich an ihnen vorbeiziehe, was ich auch sehr nett und fair finde. Ich freue mich jetzt nur noch aufs Ziel und darauf, Charly in die Arme zu fallen und ihn wieder ein bisschen vollrotzen zu dürfen - und meine Wimperntusche will ja auch wieder an den Mann gebracht werden. Jetzt riecht es nach Ziel. Nach Kilometer 41 laufe ich an unserem Auto vorbei.
Und wer steht da gerade in Unterhose und zieht sich um? Charly!! Er schaut auf, sieht mich, und sagt nur ganz erstaunt, "Hase - ?!!" und schaut auf die Uhr, so auf die Art, was willst du denn jetzt schon hier?! Tses, dann werd ich wohl keinen Charly im Ziel finden.
Aber auf ihn warten mag ich jetzt auch nicht :-)
Ich breeze die letzten paar hundert Meter nochmal los, was das Zeug hält, die letzten dreihundert Meter sind richtig fies, weil es ordentlich bergab geht, viele gehen hier, weil die Knochen wohl keinen Bergab-Endspurt mehr mitmachen wollen, aber ich will ins Ziel laufen. Das mache ich auch, ich überquere die Ziellinie, und ich schaue auf meine Uhr. Und dann bin ich richtig überwältigt und muss losschluchzen. Ach Charly, wo bist du denn. Ich will diesen Moment doch mit dir teilen.
Meine Uhr sagt 4 Stunden, 24 Minuten!!!
Ich freue mich wahnsinnig. Und das fünf Wochen nach Berlin, wo ich mir sicher war, dass ich die 4:33 von Würzburg nie wieder würde erreichen können. Keinen langen Lauf habe ich seitdem mehr gemacht.
4:24 !!!
Und das bei immerhin 300 Höhenmetern.
Irgendwann kommt dann auch Charly eingetrudelt und ist völlig überwältigt - ja Hase, was machst du denn schon hier? Mit dir habe ich ja noch gar nicht gerechnet? :o)))

Bei Charly wurden es diesmal 3:56. Mit einem Besuch von Herrn Hammermann bei Kilometer 41, auch nicht schlecht, oder? Aber davon wird er selber auch noch erzählen.
Ich hab auch diesmal wieder keine Bekanntschaft mit diesem Herrn gemacht. Muss ich wohl noch ein bisschen schneller laufen, wenn ich auch endlich mal in den Genuss kommen will.
Schauen wir mal, was ich nächstes Jahr so zusammenlaufen könnte.
Denn: das war definitiv mein letzter Marathon für dieses Jahr, versprochen ;-)

Zum Schluss noch eine statistische Zusammenfassung meiner Marathons:

15. April 2007 - Marathon du Charolais - 4:42
13. Mai 2007 - Würzburg-Marathon - 4:33
30. September 2007 - Berlin-Marathon - 4:44
04. November 2007 - Marathon du Jura Alsacien - 4:24

*freu*

Sonntag, 21. Oktober 2007

Ein schönes, kaltes, sonniges, windiges Wochenende

Samstag:
Ich stehe morgens bei klirrendem Frost auf, mache das Fenster zu und freue mich über den blauen Himmel und den sonnigen Tag, der sich da ankündigt. Spontan beschließe ich, einen Ausflug nach Dijon zu machen, um dort einerseits ein bisschen shoppen zu gehen (mein Süßer wird schließlich in zwei Wochen 40 Jahre alt - er sieht aber keinen Tag älter aus als 31!) und um andererseits den Radweg, der da so schön am Canal de Bourgogne entlanglaufen soll, mit meinen Inlinern auszuprobieren.
Als ich um elf Uhr in Dijon ankomme, strahlt die Sonne von einem leuchtend blauen Himmel, aber es ist immer noch so kalt, dass ich beim Schlendern durch die Stadt richtig fröstele und zittere. Also schleunigst in die Läden rein und Geld ausgeben!
Gegen 15 Uhr parke ich mein Auto in Plombières-lès-Dijon direkt neben dem Kanal, schnalle meine Inliner mitsamt der Schutzausrüstung an und rolle auf den Radweg zu. Ich bin sofort begeistert. Dieser Radweg ist der Himmel auf Erden für Inline-Skater. Herrlich glatter Asphalt, immer direkt am Kanal in einer wunderschönen goldgelben Herbstkulisse entlang. Ich skate immer schneller, es macht mir einfach nur Riesenspaß. Es rollt wie von selbst und ich habe den Eindruck, dass ich fliege, ich bin absolut euphorisch, das muss das Inline-Skater's High sein. Das ist so ein schöner Ausgleichsport zum Laufen! Die Bewegung ist eine ähnliche, und doch ist es eine völlig andere Belastung. Ich weiß, dass dieser asphaltierte Teil des Radwegs (leider, leider) irgendwann aufhört, und ich habe mir natürlich in den Kopf gesetzt, bis zu seinem Ende zu kommen. Ich will das Ende mit meinen eigenen Augen sehen, sonst glaube ich es nicht. Und so skate ich knappe 15 Kilometer in eine Richtung, der Weg ist dann auf einmal geschottert, und schweren Herzens drehe ich um und mache mich auf den Rückweg. Und da wird mir mit einem Schlag klar, warum es so leicht und wie von selbst lief. Ich habe auf einmal total starken Gegenwind! Und das ist beim Skaten ja noch fieser als beim Laufen. Da man viel mehr Geschwindigkeit draufhat, fällt natürlich auch der Gegenwind viel mehr ins Gewicht, und ich mühe und kämpfe mich ab und habe das Gefühl, ich komme überhaupt nicht mehr vom Fleck. Puh, das ist Arbeit. So brauche ich für den Rückweg auch gute zehn Minuten länger als für den Hinweg, und als ich wieder beim Auto ankomme, reicht es mir dann aber auch. Knappe 30 Kilometer waren das !
Wann und wo gibt es eigentlich Inliner-Marathons?

Sonntag:
Ich stehe morgens bei klirrendem Frost auf, mache das Fenster zu und freue mich über den blauen Himmel und den sonnigen Tag, der sich da ankündigt. Ich halte mich ja nun wirklich für einen abgehärteten Hasen (die Heizung habe ich bis jetzt im Hasenstall noch nicht angemacht), aber ich gehe dann vielleicht doch etwas zu weit, als ich - bei Frost, überall ist Rauhreif, als ich rausgehe!! - in kurzer Hose zum Bäcker und auf den Markt gehe. Nee, Hase, das war keine Glanzleistung, ich gebe es offen zu, und kalt war mir auch. Bissi blaue Knie habe ich bekommen, und die Leute haben mich auch einigermaßen komisch angeschaut, mit ihren Mützen und Handschuhen. So schnell war ich noch nie vom Markt wieder daheim, und ich hab mich auf dem Heimweg an meinem noch ofenwarmen Baguette gewärmt.
Am Nachmittag gehe ich dann laufen. 20 km habe ich mir vorgenommen, und das auf meiner Lieblingsrunde über Flée und Montigny-sur-Armançon. Lustigerweise ist mein Lauf eine einzige Wiederholung meiner Inliner-Tour von gestern: die ersten 10 Kilometer läuft es super und wie von selbst, mir wird warm und ich genieße den blauen Himmel und den sonnigen Herbstwald auf dem Weg nach Flée. Und als ich dann in Flée die Richtung ändern muss, schlägt mir wieder dieser fiese, eiskalte Gegenwind entgegen, der mir jeden Schritt zur Qual macht und mich einfach nicht vorwärts kommen lässt. Dieser Wind fällt einem immer so dermaßen überhaupt nicht auf, wenn man ihn im Rücken hat, das ist das Gemeine daran!
Im Hasenstall gab es dann eine heiße Dusche (eiskalt abgebraust wird immer erst am Ende der Dusche) und eine herrlich heiße Trostsuppe aus Kartoffeln, Karotten und Lauch.
Aber die Heizung, die hab ich immer noch nicht angemacht :)))

Sonntag, 14. Oktober 2007

Mein 3. und schönster Semur-Halbmarathon

Hach, was ist das Leben schön. Hach, was geht's mir gut. Hach, was bin ich einfach nur happy.

Vor einer Woche war ich mir noch nicht sicher, ob ich ihn mitlaufen würde, den Halbmarathon von Semur, der jedes Jahr im Oktober stattfindet. Schließlich ist der Berlin-Marathon ja gerade mal zwei Wochen her. Aber jeder Tag, der verstreicht und an dem es mir gut geht, lässt mich ein bisschen sicherer werden - klar lauf ich ihn mit, meinen Semur-Halbmarathon. Geht doch nicht, dass ich einen HM vor der Haustüre hab und den nicht mitlaufe. Ich werd ihn halt gemütlich laufen, aber dabeisein will ich. Außerdem habe ich schon zwei Weingläser aus den beiden vergangenen Jahren in meinem Regal stehen, und das von 2007 darf in der Sammlung auf keinen Fall fehlen.
Gestern abend mache ich dann eine einigermaßen erstaunliche Feststellung: ich bin aufgeregt. Häh? Was'n nu los? Vor dem Berlin-Marathon nicht die Spur nervös sein, und vor einem popeligen Halben (mein 8. insgesamt) bin ich aufgeregt? Nun, ich nehme es einfach so hin, wie es ist, vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen. Wie auch immer, ich werde ihn gemütlich laufen, einfach nur zur Freude und für mich selbst.
Um zehn ist der Start, um neun Uhr gehe ich zur Startnummernausgabe und stelle fest, dass an dem Tisch, an dem die Startnummern für den 9,4-Kilometer-Lauf ausgegeben werden, eine richtig lange Schlange ist, und dass an dem Tisch für die Halbmarathonis kein Mensch ansteht. So glei. Ich steuere also auf den Monsieur zu und sage ihm meinen Namen. Er sieht mich freundlich an und sagt, "hier gibt es nur die Startnummern für die 21 Kilometer. Die 9,4 Kilometer sind da drüben." Ich bin perplex. "Aber ich laufe doch die 21 Kilometer, deswegen bin ich hier!" - "Sind Sie sicher?" - "Ja, ich bin sicher!!" (Also sowas!! Frechheit! Und das einem Marathon-Hasen!) Er schaut in seiner Liste nach und findet (natürlich) meinen Namen. Ich mache mir über diesen Vorfall keine weiteren Gedanken und mische mich unter die Menge, wo ich meinen Arbeitskollegen treffe, der die 9,4 km heute "ganz gemütlich" in 36-38 Minuten laufen will, wie er sagt. Ja, scho recht. Seine Freundin ist so nett und bewahrt mein langärmeliges Shirt für mich auf, das ich trotz Fröstelns beschließe auszuziehen - auch wenn ich gemütlich laufen werde, so weiß ich doch, dass mir warm werden wird.
Der Start ist für Halbmarathonis und 9,4-km-Läufer gleichzeitig, und so reihe ich mich ein in den Pulk und stelle mich ganz hinten hin, ich sehe fast nur 9,4-Startnummern um mich herum und habe keinerlei Lust, gleich von denen überrannt zu werden. Peng, es geht los, ich laufe, ich laufe inmitten lauter 9,4-Kilometer-Leuten, und es fühlt sich gut an. Öhm, "gemütlich" ist dieses Tempo aber nicht unbedingt, Hase. Na ja, mal sehen, das können wir ja später noch korrigieren. Bei Kilometer 2 ist das erste Kilometerschild, ich schaue auf die Uhr und kriege einen Schreck. Öhm. Moment mal. Hase, so geht das nicht, du bist viel zu schnell. Ich bin die ersten zwei Kilometer in exakt 10 Minuten gelaufen!! Das ist ein Halbmarathon und kein 5-Kilometer-Rennen! Aber ich mache nicht wirklich langsamer. Das können wir ja später immer noch sehen.
Was mich sehr amüsiert: ich laufe diesen Halbmarathon nun bereits zum drittenmal mit, ich kenne jeden Meter, den ich ablaufe, und doch bin ich absolut nicht imstande, mir die Streckenführung für die ersten 10 Kilometer zu merken. Es geht kreuz und quer durch Semur, immer wieder andere Schleifen laufen wir, mir wird ganz schwindlig und ich bin den Ordnern sehr dankbar, dass sie uns sagen, wo wir hinlaufen müssen. Zweimal laufen wir durch die Fußgängerzone, beide Male aus entgegengesetzten Richtungen kommend, und ich sage nur Kopfsteinpflaster. Aufpassen, nicht umknicken mit den Pfoten! Als ich bei meinem Bäcker vorbeikomme, freue ich mich, denn da steht meine Freundin Audrey, mit ihrer süßen kleinen Orane, und sie winken mir beide zu. Sie ruft mir noch nach, "tu as l'air fraîche comme une rose!" (Du siehst frisch wie eine Rose aus!), und schon bin ich weg. Jetzt geht es den Berg hinter unserer Pizzeria hinunter, und ich sage jetzt wirklich ganz insistent HOLPRIGSTES KOPFSTEINPFLASTER - pass auf deine Knöchel auf, Hase, denn dieses Kopfsteinpflaster ist wirklich noch original aus dem Mittelalter, mindestens. Bei km 5 bin ich bei 27 Minuten, ich finde mich eigentlich immer noch viel zu schnell und vergesse auch nicht, dass ich noch 16 Kilometer vor mir habe, aber was soll's. Ich sage auch ganz ohne Schadenfreude, dass es Spaß macht, eine ganze Reihe von 9,4-Läufern zu überholen.... und ich denke an letztes Jahr, wo es mir nicht gut ging, und ich fange an, dieses Rennen richtig zu genießen. Ich nehme mir vor, zumindest meine Zeit vom letzten Jahr zu verbessern, da bin ich 2:10 gelaufen.
Die Zeit von 2005 kommt mir absolut utopisch vor - da habe ich es in 2:03 geschafft, und der Semur-HM ist alles andere als flach, da sind ein paar richtig schöne ordentliche Berge drin.
Also, irgendwas unter 2:10 wäre schön.
Ich freue mich mittlerweile des Lebens, es geht jetzt den Berg an der Stadtmauer entlang hinunter zum Flüsschen Armançon, und aus irgendeinem Lautsprecher schallt in voller Dröhnung die italienische Version von Ti Amo. Schlager sind beim Laufen gar nicht mal das Schlechteste, stelle ich fest, und grinse mir eins. Ich bin eigentlich ständig am Grinsen, bedanke mich bei allen Zuschauern, die mich anfeuern, und bei allen Ordnern, die mir so nett den Weg zeigen. Ich laufe am Armançon entlang und weiß, dass sie jetzt gleich kommt - die berühmt-berüchtigte Ruelle Trémy. Das ist eine richtige Semurer Wand, eine Straße, die so steil ansteigt: / Ich übertreibe nicht. Und wie jedes Jahr befinden sich hier die meisten Zuschauer - die Leute sind im Grunde ihres Herzens einfach Sadisten, oder nicht? Ich überhole einige, die hier am Gehen sind (ihr seids wohl keine Semurer, was?), keuche dann nicht schlecht, als ich oben ankomme, laufe an meinem Hasenstall vorbei, bin überhaupt nicht versucht, einfach heimzugehen, und laufe zum ersten Mal durchs Ziel - die 9,4 km sind schon mal geschafft. Ich muss über ein kleines Mädchen lachen, das mir den Daumen nach oben zeigt und sagt, "allez, plus qu'une petite boucle!" (Los, nur noch eine kleine Runde!) Na die wird es wissen! Mein Arbeitskollege ist natürlich schon lange da und feuert mich an, und ich sage zu ihm, "ich bin viel zu schnell, ich kann das Tempo auf keinen Fall halten." Er sagt nur, red nicht, lauf, na gut, und dann passiere ich die 10-km-Marke. Ich schaue auf die Uhr - 57 Minuten. Spätestens jetzt wird mir klar, dass das heute mit dem "gemütlichen HM" wohl nicht wirklich hinhaut. Und nun ist das Durchstreifen von Semur beendet, wir laufen aus Semur raus, auf die altbekannte St-Euphrône-Runde, die ich auch blind laufen könnte, so gut kenne ich sie. Zuerst geht es in Richtung Lac de Pont, und hier ist der nächste Berg. Es geht fast einen Kilometer lang steil bergauf, und ich überhole zwei Läufer (ihr seids wohl keine Semurer, was?). Jetzt haben wir Gegenwind, aber richtig. Oben an der Kuppe nutze ich eiskalt einen Läufer aus, der direkt vor mir in meinem Tempo läuft und mir bergab wunderbar Windschatten spendet. Als wir unten ankommen und der Wind weniger wird, überhole ich ihn und bedanke mich für seine Hilfe. Böse - aber er lächelt mich an und sagt, kein Problem. Jetzt geht es nach links weg in Richtung Pont-et-Massène, und es geht wieder steil bergauf. Ich ermutige mich selbst, indem ich mir sage, dass mir das nichts ausmacht, weil ich das doch alles kenne. Und das hilft wirklich. Es läuft einfach. Ich laufe durch St. Euphrône, schaue bei km 15 wieder auf die Uhr - 1 Stunde 27. Ich freue mich, ich laufe wunderbar regelmäßig und nehme mir einfach vor, so weiterzulaufen. Und es geht. Bei Kilometer 17 fällt mir auf einmal auf, dass ich schon seit Beginn des Laufes das wunderschöne Lied "9 million bicycles" von Katie Melua im Kopf habe, und ich freue mich darüber, denn das ist Charlys und mein Lied, ein traumhaftes Liebeslied, und es entschädigt mich ein bisschen für die Tatsache, dass Charly auch beim 3. HM in Semur leider wieder nicht dabeisein konnte. Kilometer 18 ist in Villenotte, und ich nähere mich unaufhaltsam meiner geliebt-gehassten Allee, die mir auch heute wieder 269 Kilometer lang scheinen wird, mindestens, ich weiß es. Langsam fängt es an, wehzutun. Meine rechte Fußsohle brennt, und ich weiß, dass ich da ein paar ganz wunderbare Blasen finden werde. Wär ich doch gemütlich gelaufen. Oder? Nö, so ist es auch nicht schlecht. Leider kriege ich auf der Allee keine Endbeschleunigung hin, aber ich schaffe es, mein Tempo zu halten. Los, Hase, noch zwei Kilometer, lass nicht nach, ja, jetzt tut es weh, aber es ist gleich vorbei. Oh Mann, wie ich den letzten Kilometer eines HMs immer hasse - es tut einfach immer weh, hallo Kotzgrenze, NIE werde ich einen Marathon auf Zeit laufen, das schwöre ich mir in diesem Moment, und dann laufe ich durchs Ziel und schaue auf meine Uhr und könnte jodeln vor Freude.
Meine Uhr sagt 2 Stunden, 2 Minuten!! Ich habe meine Semur-Bestzeit von 2:03 tatsächlich verbessert! Das gibt mir einen solchen Kick, 2:02 bei diesem bergigen Profil ist wirklich nicht ohne, ich möchte hüpfen und freue mich und möchte meinem Charly um den Hals fallen und ihn mit Wimperntusche beschmieren. Ich denke an den Semur-HM vor einem Jahr, wo ich alles andere als gut drauf war und die 2:10 als einen einzigen Kampf empfunden habe, und dann sowas!
Ich freu mich, ich freu mich und ich bin stolz auf mich.

Noch für die Statistik: das war mein 8. Halbmarathon insgesamt, und von diesen acht HMs bin ich nur einen einzigen, nämlich den ersten, nicht im Burgund gelaufen - ich bin wohl halbmarathonmäßig eindeutig etwas burgundlastig.

Meine allgemeine HM-Bestzeit (also nicht aus Semur, sondern auf flacher Strecke) liegt bei 1 Stunde, 58 Minuten.
Aber da geht doch bestimmt auch noch was runter, oder? ;-)

Und das hier ist für Charly:
Mein Schatz, eines habe ich mir heute ganz fest geschworen. Nächstes Jahr - egal wo wir dann sind oder was auch immer dann ist - laufen wir den Semur-HM zusammen. Da nimmst du dir frei, egal wie. Am besten trägst du das gleich morgen ein in den Urlaubsplan. Das kann einfach nicht sein, dass du den nie mitläufst. Das ist nämlich der schönste aller Halbmarathons. OK?
There are six billion people in the world, more or less - but you're the one I love the most of all.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Wieder positiv

Und schon ist er wieder vorbei, der Urlaub. Wie schnell doch zwei Wochen vergehen können - ? Es ist erstaunlich. Nun bin ich wieder alleine in meinem französischen Hasenstall und muss wohl morgen wieder arbeiten - eh bien, c'est la vie.

Ich habe es tatsächlich durchgehalten, wie angekündigt, nach dem Marathon eine ganze Woche Laufpause zu machen. Und ich bin davon überzeugt, dass das dem Körper wirklich richtig guttut. Auch wenn man sich eigentlich schon nach zwei Tagen wieder laufbereit fühlt - ich bin mir sicher, diese ganze Woche freiwillige Regeneration hat mir sehr gutgetan. Meine Achillessehne habe ich schon seit Dienstag gar nicht mehr gespürt, und auch bei meinem heutigen Lauf hat sie sich nicht bemerkbar gemacht, was für mich so rein mental ein sehr beruhigendes Gefühl ist. Denn ich weiß jetzt, dass sie einfach mal wehtun kann, und das durchaus auch sehr heftig, und dass das dann genauso schnell wieder verschwinden kann, wie es gekommen ist. Wenn ich meine Achillessehne mal spüre, muss es eben nicht gezwungenermaßen bedeuten, dass ich monatelang daran herumlaborieren werde - das ist eine sehr wichtige und erfreuliche Erfahrung für einen hypochondrischen Hasen wie mich.

Und so hatte ich heute einen ganz wunderschönen, entspannten 10-Kilometer-Lauf bei herrlichstem Sonnenschein. Richtig warm war es. Ich wusste doch, dass der Sommer noch kommt. Und ich bin, wie schon letztes Jahr, mitten in den Semurer Duathlon reingelaufen, der jedes Jahr genau eine Woche vor dem Semurer Halbmarathon stattfindet. Langsam sollte ich es doch wissen - das ist mir jetzt schon zum drittenmal passiert. Ein Ordner rief mir nach, dass ich aber in die falsche Richtung laufe, und ich machte ihm klar, dass ich nicht zum Duathlon gehöre.

Jetzt will ich aber auch noch den wahren Grund aufdecken, warum ich diese ganze Woche Laufpause so brav durchgehalten habe. Das sieht mir nämlich so gar nicht ähnlich. Aber da gibt es etwas ganz Konkretes, was mir dabei sehr geholfen hat.
Ich habe nämlich eine Ersatzdroge gefunden.
Am letzten Donnerstag waren Charly und ich in Coburg und haben dort eine kleine Tour durch den Kaufhof gemacht, shoppen ist nämlich wichtig, wenn man sich erstmal mit einer guten Bratwurst gestärkt hat. Und irgendwie sind uns dort ein paar wunderschöne Inliner in meiner Größe aufgefallen, die von 180 Euro auf 60 Euro reduziert waren. Ich bin ja immer offen für Neues, und so probierte ich sie an und stolperte damit recht tollpatschig durch den Laden. (Kann man mit Rollerblades stolpern ?) Kurz und bündig - ich habe sie gekauft und am nächsten Tag mit Charly eingeweiht, der seine Inliner auch dabeihatte. Ich musste schon über mich grinsen - ich habe noch nie auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet, mir Rollerblades zu kaufen, und zack, war ich stolze Besitzerin eines ebensolchen Paares. Mei, hat mir das Spaß gemacht. Für eine blutige Anfängerin hab ich mich gar nicht so doof angestellt, finde ich - sonst hätte ich am ersten Tag auch kaum gleich 25 Kilometer zurückgelegt, nicht wahr?

Gestern habe ich auf der Rückfahrt nach Frankreich wie üblich in Freiburg Halt gemacht, und ich musste dort einfach das Inliner's Paradise ausnutzen, das ich als Läuferin schon so gut kennenlernen durfte, habe ich doch dort vor fast acht Jahren meine ersten zaghaften Laufschritte gemacht. Auf der einen Seite der Dreisam ist es nämlich viele Kilometer lang wunderbar glatt asphaltiert, und man kann dort inlinern, was die Beine hergeben. Herrlich war das.

Charly hat einen sehr schönen Bericht über unseren Urlaub geschrieben. Nachzulesen ist er wie üblich hier.

Montag, 1. Oktober 2007

Der Berlin-Marathon 2007

Soll ich in dem düsteren Zustand, ich dem ich mich gerade befinde, wirklich einen Bericht über den Berlin-Marathon schreiben, auf den ich mich schon seit Monaten so sehr gefreut habe? Oder sollte ich lieber warten, bis ich wieder etwas positiver drauf bin, da er sonst wirklich nur trübe rüberkommen könnte? Aber sollte er nicht auch einfach ehrlich sein, mein Bericht, und wer sagt denn, dass ein Marathon-Bericht immer nur von himmelhochjauchzender Stimmung zeugen muss?

Ich nehme die Fakten gleich mal vorweg - ich habe ihn geschafft, meinen dritten Marathon dieses Jahr und meinen dritten Marathon überhaupt, in meiner persönlich schlechtesten Zeit zwar, aber ich bin ihn durchgelaufen, und das war schwer.

Er war hart, der Berlin-Marathon, er war schwer, und er hat wehgetan, und ich habe endlich wieder die nötige Demut und Hochachtung vor diesen 42,2 Kilometern.

Ich denke jetzt mit Staunen an meine beiden ersten Marathons, vor allem an den zweiten in Würzburg, den ich nur vier Wochen nach meinem ersten mit einer absoluten Leichtigkeit und völlig schmerz- und leidensfrei in sagenhaften 4:33 gelaufen bin - ich bin mir seit gestern sicher, dass das meine persönliche Marathon-Bestzeit war und ich das nie wieder werde erreichen können.

Berlin ist eine tolle Stadt - ich liebe Berlin. Ich liebe diese Stadt, weil ich jedesmal, wenn ich dort bin, meinen ältesten und besten Freund Markus treffe, weil ich die Berliner so herzlich und nett und hilfsbereit finde, und weil die allgemeine Atmosphäre in dieser Stadt mich einfach immer wieder überwältigt.

Am Abend vor dem Marathon bin ich bester Dinge, ich bin kein bisschen aufgeregt, warum auch, wir laufen doch nur Marathon!

Charly und Markus und ich sind zum Pizzaessen mit unseren Blogger-Freunden Uli und Manu mitsamt Familie verabredet, leider hat es für Manu dann nicht mehr rechtzeitig hingehauen, aber es war riesig nett, Uli und seine total sympathische Frau und seinen süßen Zwockel zu treffen.

In der Nacht schlafe ich gut, warum auch nicht, ich laufe doch nur Marathon.

Dann der Start. Charly steht mit mir ganz hinten im letzten Startblock, und es dauert 25 Minuten ab Startschuss, bis wir über die Linie laufen. Wir denken daran, dass Haile Gebrselassie nun schon einige Kilometer zurückgelegt hat.

Es geht mir gut, warum auch nicht, ich laufe doch nur Marathon.
Diesen Gedanken halte ich aufrecht bis ca. Kilometer 25, und dann wird es schwer. Es läuft nicht mehr gut. Es fängt an, wehzutun. Ich fange an, mich zu fragen, was ich hier eigentlich mache und warum ich meinen Füßen diese Strapaze antue. Ich denke wieder einmal an Würzburg. Da habe ich genau bei Kilometer 25 nämlich meine Eltern getroffen, die mir die Colaflasche gereicht haben, und ich erinnere mich so genau daran, wie meine Mutter mich fragte, "wie weit ist es jetzt noch?", und ich ihr frohgemut antwortete, "ach, jetzt sind es nur noch 17 Kilometer!", und vor allem erinnere ich mich daran, dass ich das zu dem Zeitpunkt auch ganz genau so gemeint habe!! Unvorstellbar. Und jetzt? Ich habe die Schnauze voll. Ich mag nicht mehr. Aber aufgeben kommt nicht in Frage, also kämpfe ich weiter. Charly fragt mich regelmäßig, wie es mir geht, und ich antworte, "es muss ja", oder", "na ja, es geht schlecht, aber es geht schon", oder so in der Art.

Es ist kein Hammermann, der mich überfallen hat - es ist einfach ein ganz allgemeines Mich-Schlecht-Fühlen.

Bei jeder Verpflegungsstelle fällt mir mehr auf, wie wahnsinnig weh mir das Wieder-Anlaufen tut, wenn ich zum Trinken ein paar Schritte gegangen bin - eine völlig neue und sehr unschöne Erfahrung für mich.

Bei Kilometer 36 dann der absolute Tiefpunkt - Charly und ich sind wieder an einer Verpflegungsstelle, wir gehen ein paar Schritte, trinken, und ich denke daran, dass ich jetzt gleich wieder anlaufen muss, dass es wehtun wird, dass ich schlicht und einfach keine Lust und keine Kraft mehr habe, und ich breche in Tränen aus. Und diesmal sind das keine Glückstränen, die mir die Wimperntusche davonlaufen lassen, das ist mal ganz sicher. Ich bin verzweifelt. Ich zweifle an allem. Charly ist total erschrocken, nimmt mich in den Arm und sagt, "Häsle... nur noch sechs Kilometer.... komm, dann gehen wir halt jetzt eine Weile...." Und dafür bin ich ihm dankbar, denn genau das hat meine letzten Kampfgeister noch einmal motiviert, und ich sage trotzig, "Gehen? Nein. Ich will mit dir durchs Brandenburger Tor laufen, nicht gehen", und laufe wieder an. Es tut weh, aber nach ein paar Schritten wird es wieder besser. Und dann kämpfe ich mich durch die letzten 6 Kilometer. Bei Kilometer 38 denke ich an meinen ersten Marathon und dass ich an dieser Stelle schon mitten in meiner sagenhaften Endbeschleunigung drin war, dass ich die letzten Kilometer alle schneller als sechs Minuten gelaufen bin, einen davon sogar in 5:41 - unvorstellbar heute. Es ginge nicht, selbst wenn ich wollte.

Wir laufen dann irgendwann um eine Kurve und sehen es auf einmal vor uns, das Brandenburger Tor. Noch zwei Kilometer bis dahin. Glücklicherweise kommt das Brandenburger Tor relativ schnell näher, es wird immer größer, da ist es, das Ziel, die Zuschauer sitzen auf den Tribünen und feuern uns an, ein paar Meter vor dem Tor nimmt Charly meine Hand und wir laufen gemeinsam durch das Tor und dann noch die letzten 200 Meter bis ins Ziel, ich höre auf zu laufen, fange an zu gehen, denke nur, "Sch**e, mir tut alles weh", lasse mir die Medaille umhängen, und verspüre kein Glücksgefühl. So. Das war jetzt Berlin, auf den ich mich seit Monaten freue, und das soll es gewesen sein? Wohl schon.

Ich würde gerne noch etwas von der tollen Stimmung an der Strecke erzählen, von den Zuschauern, die teilweise wirklich super drauf waren, von den Bands, die eine irre Stimmung gemacht haben, aber irgendwie ist das alles in meiner Erinnerung untergegangen.

Und so erzähle ich euch nur noch, dass noch am selben Abend dann endlich das eingetreten ist, worauf ich ja schon seit vielen Wochen warte: wenige Stunden nach dem Marathon fing meine Achillessehne an zu schmerzen, aber so richtig. Das war keine Einbildung und keine Paranoia, sie tat weh. Richtig blöd weh. Ich werde jetzt eine Woche Laufpause machen, ja, freiwillig, und ich hoffe, dass das dann wieder gut ist. Eine langwierige Achillessehnengeschichte würde mir jetzt gerade noch fehlen.

Das war mein Berlin.....

Ach ja, meine persönliche Schlecht-Zeit: 4:44:55.

Sonntag, 16. September 2007

Meine Achillessehne und ich - ein unschlagbares Team.

Aua.
Mir tut restlos alles weh. Nur nicht die Achillessehne. Und deswegen geht's mir ja soooo gut :o)

Aber von vorne.
Mit sehr gemischten Gefühlen mache ich mich heute auf den Weg zu meinem langen Lauf. Den Grund für diese gemischten Gefühle kann man in meinem Eintrag von gestern nachlesen - es sind nichts weiter als absolut paranoide, hypochondrische Hirngespinste, und deswegen reiße ich mich zusammen und laufe los. Es ist sonnig und schön warm, es hat um die 25°, aber das macht mir nichts aus, ich mag diese Temperatur. Was meinen verkorksten Kopf mitsamt seinen Ängsten angeht, sind die ersten zwei Kilometer die schlimmsten. Ich horche krampfhaft in mich hinein. Na? Tut schon was weh? Nein? Hm. Komisch. Aber jetzt doch, da war doch was? Nein, immer noch nicht? Na gut, dann kann ich ja genausogut versuchen, mich ein kleines bisschen zu entspannen und diesen schönen Sonnenlauf zu genießen, das wäre sicher auch nicht das Verkehrteste. Ich habe mir für heute eine herrliche 31-km-Runde ausgesucht, die auch ein schönes Bonbon fürs mentale Durchhalten ist, denn es handelt sich ausschließlich um Dörfer, durch die ich schon gelaufen bin, ich kenne sie alle acht sehr gut - aber ich habe sie noch nie alle zusammen in einem einzigen Lauf abgehoppelt. Und so denke ich immer nur in Etappen, ich halte mir nie die ganzen 31 Kilometer vor Augen, sondern immer nur die Strecke bis zum nächsten Dorf. Und das klappt sehr gut. Nach sechs Kilometern lande ich in Cernois, und es geht mir prächtig. Wovor hatte ich eigentlich solche Angst? Ich will diesen Lauf jetzt mit allen Sinnen genießen. Das wird aber jetzt erst einmal unterbrochen, da ein Landwirt aus seiner Scheune tritt - ich schätze ihn auf über 80 - und mich freundlich lächelnd und fast zahnlos anspricht. Ich nehme meine Kopfhörer aus den Ohren und frage freundlich, pardon? Und dann ergibt sich der folgende Dialog, der mich köstlich amüsiert hat - ich schreibe ihn mal im Original auf, für die frankophilen Leser, und versuche ihn dann einigermaßen sinngemäß zu übersetzen. Die vielen r's sollen nur den Burgunder Dialekt ausdrücken, die gehören natürlich in Wirklichkeit da so nicht hin - aber die ältere Burgunder Generation rollt die r's so herrlich, ich finde das so herzig.

Version française:
Opi: Jolie demoiselle, bonjourrrr... vous êtes sporrrrtive, hein ?
Hase: Euh... oui :)
Opi: Vous courrrrez ou, comme ça?
Hase: Je viens de Semur, je passe ici par Cernois pour aller à Sauvigny, à Vic, à Pouligny, à Genay, à Milléry, à Charentois, et puis je vais retourner sur Semur....
Opi - völlig von den Socken: Vous allez jusqu'à CHARRRRENTOIS!! Eh ben, eh ben !! C'est forrrrt, ça! Vous êtes vrrrrraiment sporrrrtive, hein ?
Hase: Oui, je crois....
Opi: Et - excusez ma currrriosité - je vois que vous avez des écouteurrrrs, là - c'est quoi?
Hase: J'écoute de la musique avec ça....
Opi: Eh ben, de la musique!! C'est extrrrraordinaire, ça! On n'arrête pas le prrrrrogrrrrès! Et puis, vous êtes bien sporrrrtive, quand même, hein?
Hase: (mittlerweile richtig breit grinsend) Oui.....
Opi schaut mir mittlerweile ganz unverhohlen auf meinen Bauch (ich trage ein bauchfreies Top), ich habe den Eindruck, er würde mir einfach gerne mal in den Bauch kneifen, und ich gehe rein sicherheitshalber zwei Schritte zurück.
Opi: Eh ben, eh ben. C'est bien, ça. Ça me plaît. Vous êtes bien sporrrrtive!
Hase: Oui... j'aime ça. Mais je vais y aller maintenant.... c'était chouette de discuter avec vous.... bon dimanche!
Opi schaut mir immer noch auf den Bauch. Oui, courrrrez bien, jolie demoiselle.... au revoir! Vous êtes bien sporrrrtive!

Deutsche Fassung:
Opi: Hübsches Fräulein, bonjourrrrr ... Sie sind aber so rrrrichtig sporrrrrtlich, was?
Hase: Öhm... ja :)
Opi: Wo rrrrennen Sie denn hin?
Hase: Ich komme aus Semur, jetzt bin ich in Cernois , und dann geht es weiter nach Sauvigny, nach Vic, nach Pouligny, nach Genay, nach Milléry, nach Charentois, und dann wieder zurück nach Semur....
Opi - völlig von den Socken: Sie laufen bis nach CHARRRRENTOIS!! Ja sowas !! Ja sowas! Das ist starrrrk! Sie sind aber rrrrichtig sporrrrtlich, was?
Hase: Ja, ich glaub schon....
Opi: Und - entschuldigen Sie meine Neugier! - ich sehe, dass Sie Kopfhörrrrer haben - wofürrr sind die?
Hase: Damit höre ich Musik....
Opi: Ja sowas! Musik!! Das ist ja wunderbarrrr! Der Forrrtschrrritt geht immer weiter! Und außerdem sind Sie aber rrrrichtig sporrrrtlich, was?
Hase: (mittlerweile richtig breit grinsend) Ja, doch.....
Opi schaut mir mittlerweile ganz unverhohlen auf meinen Bauch in meinem bauchfreien Top, ich habe den Eindruck, er würde mir einfach gerne mal in den Bauch kneifen, und ich gehe rein sicherheitshalber zwei Schritte zurück.
Opi: Na sowas aber auch. Na sowas. Das gefällt mir. Das find ich gut. Sie sind aber rrrrichtig sporrrrrtlich!
Hase: Ja.... ich liebe das Laufen. Jetzt laufe ich aber mal weiter.... war nett, mit Ihnen zu plaudern... einen schönen Sonntag!
Opi schaut mir immer noch auf den Bauch. Ja, rrrrennen Sie schön weiter, hübsches Frrrräulein.... au revoir! Sie sind aber rrrrichtig sporrrrlich!

Die 2 Kilometer von Cernois bis Sauvigny musste ich dann in einem durch nur grinsen - dieser Opi war einfach zum Quietschen. Zum Glück habe ich ihn nicht um ein Glas Wasser gebeten, sonst wäre ich jetzt immer noch dort.
Sauvigny ist ein 5-Häuser-Kaff, in dem es doch tatsächlich ein Café gibt, das auch noch sehr einladend aussieht. Da müssen wir mal einkehren. Aber nicht heute. 2 Kilometer nach Sauvigny komme ich nach Vic de Chassenay - das Dorf mit meinem Lieblingsbrunnen. Ich lege meine erste wohlverdiente Trinkpause ein und laufe frisch gestärkt weiter. Von hier aus sind es jetzt 4 Kilometer bis Pouligny. Es läuft richtig gut. Ich entspanne mich immer mehr. Als ich von Pouligny bis nach Jeux-les-Bard laufe, muss ich daran denken, als ich hier vor ein paar Wochen mit Charly gelaufen bin. Wir hatten uns auf einen 10-km-Lauf aufgemacht, bei dem wir uns leicht verschätzt hatten, weil es sich nämlich in Wirklichkeit um einen 13-km-Lauf gehandelt hatte. Und wir waren auf den letzten drei Kilometern ja so am Ende - weil unser Kopf auf 10 km eingestellt war und nicht auf 13. Daran muss ich jetzt denken, und dass es mir doch heute viel besser geht, obwohl ich jetzt schon über 13 km in den Beinen habe - weil ich heute eben auf 31 Kilometer eingestellt bin, da darf man nach 13 km noch nicht schlappmachen. Ich durchquere Jeux-les-Bard und schlage den Weg in Richtung Genay ein und wage mich zum ersten Mal ein bisschen darüber zu freuen, wie gut es mir doch geht? Jetzt hab ich ja eigentlich schon die Hälfte, und gar nix tut weh? Nicht mal im Kopf, das ist das Erstaunlichste! Die ca. 5 km bis Genay kommen mir dann auf einmal recht lange vor, es zieht sich. Aber mir geht es gut. In Genay muss ich dann meine Mini-Karte zu Rate ziehen, da ich weiß, dass ich hier irgendwo rechts abbiegen muss nach Milléry, ich weiß aber nicht so genau wo. Ziemlich am Anfang des Dorfes, sagt die Karte. Na gut - dann biege ich doch gleich hier rechts ab. Beschildert ist hier aber nichts, und ich habe das ungute Gefühl, auf der falschen Fährte zu sein. Einen größeren Umweg zu laufen wäre jetzt arg blöd. Ich laufe nur sehr zögerlich weiter, hm, was tun?, als ich die Rettung in Form einer auf einen Balkon verbannten Raucherin sehe. Da lobe ich mir doch das neue Anti-Rauch-Gesetz, ohne das ich doch glatt um diese wertvolle Auskunft gekommen wäre! ;-)
Ich laufe auf die Dame zu und frage sie, ob es hier nach Milléry geht. Sie antwortet mir, "ouh là.... non, pas du tout!", was soviel heißt wie "oh je, nein, absolut nicht!" Sie weist mir die richtige Richtung, ich bedanke mich und drehe um. Na gut, ein paar hundert Meter Umweg kann ich verkraften. Beim Weiterlaufen denke ich mir noch, dass ich sie doch eigentlich um ein Glas Wasser hätte bitten können - verpasst. Heiß ist mir mittlerweile auch. Aber spätestens in Milléry gibt es einen Friedhof mit wunderbarem frischem Wasser. In der Ortsmitte habe ich noch einmal Zweifel, Genay ist aber auch ein großes Dorf!, ich frage noch einmal drei Herren nach dem Weg, die gerade den französischen Volkssport Pétanque spielen. Diese Auskunft fiel sehr mürrisch und unfreundlich aus, weiß der Geier warum, pfff, ihr könnt mich mal, und nach Wasser frage ich euch mit Sicherheit auch nicht. Ich laufe die Straße in Richtung Milléry hoch und komme, oh Freude, das wusste ich nicht, am Friedhof von Genay vorbei. Ich halte an und trete ein - jetzt freue ich mich aber aufs Trinken. Ich durchquere den ganzen Friedhof - und finde keinen Wasserhahn. Der Friedhof von Genay hat doch tatsächlich keinen Wasserhahn! Blödes Kaff. Ich muss mich wieder in Bewegung setzen, ohne etwas getrunken zu haben, und jetzt fängt es an, mir schwerzufallen. Meine Beine werden schwer, alles wird schwer, mir reicht es jetzt eigentlich. Ich habe auch schon ca. 23 Kilometer hinter mir. Jetzt muss ich mir selber Mut zusprechen - ist nicht mehr weit bis Milléry, in Milléry darfst du trinken, und von Milléry bis Semur sind es dann nur noch fünf Kilometer, ein Klacks.... nein, es ist kein Klacks, es läuft zäh jetzt, aber es läuft, und die Achillessehne tut überhaupt nicht weh. Ist das nicht das Wichtigste? Ich kämpfe mich bis nach Milléry, lasse mich dort genüsslich neben dem Wasserhahn im Friedhof nieder, das will ich jetzt genießen, ich setze mich hin und lasse mir das frische, klare Wasser über die Hände laufen, schütte mir etwas davon über den Kopf und mache mir die Haare nass, wieso ist es eigentlich Mitte September so heiß?, und ich trinke. Ich trinke und trinke, minutenlang, bis mein Bauch anfängt zu gluckern, dann drehe ich den Wasserhahn zu und laufe weiter. Puh. Noch gut fünf Kilometer, die werde ich doch schaffen? Jetzt fällt mir auch auf, dass es mittlerweile viertel nach zwei ist, und dass ich mein Frühstück um viertel vor neun beendet habe. Seitdem habe ich nichts mehr gegessen, nur noch Wasser getrunken. Da darf man sich nach 26 gelaufenen Kilometern schon mal ein bisschen schlapp fühlen, aber - das ist Training! Gebt mir in Berlin ein Stück Banane nach 26 km, und ich werde fliegen! Die letzten drei Kilometer sind richtig hart, mir reicht es, ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr, mir ist heiß, ich habe Hunger, ich habe Durst, und ich schlappe in einem gefühlten 8-Minuten-Schnitt vor mich hin und verfluche den Berlin-Marathon. Aber gleichzeitig bin ich einfach nur stolz auf meine Achillessehne. Sie tut einfach nicht weh! Kein bisschen, und das, obwohl ich ihr doch nun schon wochenlang einrede, dass sie eigentlich wehtun müsste?! Ist sie nicht lieb? Ich bin gerührt von ihrem hartnäckigen Widerstand und spreche ihr in Gedanken ein dickes Lob aus, wir werden es noch weit zusammen bringen, meine Achillessehne und ich, zumindest werden wir den Berlin-Marathon zusammen durchlaufen - sollte ich diese vermaledeiten 31 Kilometer heute überleben, aber das wäre doch gelacht!
Als ich vor meinem Hasenstall ankomme, bin ich tot - alles tut mir weh - alles außer der Achillessehne, und das ist das Höchste der Gefühle. Ich bin jetzt so froh, dass ich diese 31 km gemacht hab und mich nicht von meiner völlig saublöden Paranoia ins Bockshorn habe lassen.
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Für die Statistik: 31 Kilometer in 3 Stunden und 24 Minuten, 344 Höhenmeter.

Samstag, 15. September 2007

Wieviel Paranoia ist normal?

Mal ehrlich. Ist das noch normal? OK, zugegeben, ich freue mich jetzt schon seit über einem halben Jahr auf den Berlin-Marathon, ist klar, dass sich dabei eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt und somit auch eine Angst, dass doch noch etwas dazwischenkommen könnte, aber - ich habe doch trotzdem restlos einen an der Waffel, oder?
Kann mir bitte mal jemand bestätigen, dass ich spinne?
Es würde mich nämlich ungemein beruhigen.

  • Bei jedem Lauf, den ich in den letzten zwei bis drei Wochen gemacht habe, war ich davon überzeugt, dass das jetzt ganz bestimmt mein letzter schmerzfreier Lauf gewesen ist. Völlig egal, ob das ein langer Lauf von über 25 km war oder ein kurzes Läufchen von 6 km... morgen tut bestimmt was weh. Und wir müssen alle sterben, mindestens.
  • Jedesmal, wenn ich die Treppe hinuntergehe, warte ich darauf, dass mir die Achillessehne wehtut. Sie tut es aber nie, wohlgemerkt!! Trotzdem warte ich darauf. Immerzu. Und wir müssen alle sterben, mindestens.
  • Ich horche krampfhaft in mich hinein. Schon morgens vor dem Aufstehen horche ich in mich hinein, ob da nicht vielleicht was wehtut. Und wir müssen alle sterben, mindestens.
  • Die ersten Schritte nach dem Aufstehen sind immer ganz entscheidend: na, zwickt sie jetzt, die Achillessehne? Nein? Immer noch nicht! Kann doch nicht sein! Wir müssen doch schließlich alle sterben, mindestens!!

Ich pack mich jetzt echt langsam selber nicht mehr, so rein mental, und bin froh, wenn dieser Berlin-Marathon, auf den ich mich so wahnsinnig freue, vorbei ist, damit ich mich endlich wieder ein bisschen entspannen kann.... morgen steht mein letzter (und einziger richtiger) langer Lauf von 30 km an. Dass ich das kann, steht außer Frage. Ich liebe solche langen Läufe. Die Frage ist nur, ob ich ihn mental wegstecke und es schaffe, nicht bei jedem Schritt Angst vor der Achillessehne zu haben und nicht daran zu denken, dass wir alle sterben müssen, mindestens.

Drückt mir und meinem völlig verqueren Kopf die Daumen. Die Achillessehne braucht keine gedrückten Daumen - der geht es nämlich glänzend.

Dienstag, 11. September 2007

Yesss - neue 10-km-Bestzeit!

Vor ein paar Tagen habe ich meinem Hasen-Coach meinen Laufplan für diese Woche vorgelegt, der so aussieht:

  • Montag Ruhe
  • Dienstag 10 km
  • Mittwoch 6 km (davon drei barfuß)
  • Donnerstag 12-14 km
  • Freitag Ruhe
  • Samstag 6 km (davon drei barfuß)
  • Sonntag 30 km

Charly meinte, der sei sehr gut, der würde ihm prima gefallen - und ich solle doch die 10 km am Dienstag ruhig mal ein bisschen schneller als gewöhnlich laufen, wenn mir danach sei.
Ja? Na gut. Wenn mein Hasencoach das sagt, dann mach ich das, der weiß ja, was gut und richtig für mich ist. Und so bin ich heute gleich um halb sechs nach der Arbeit auf meine genau abgemessene St. Euphrône Runde aufgebrochen, von der ich weiß, dass sie genau 10,8 km lang ist, und auch, an welcher Stelle sich genau die 10-km-Marke befindet.
Was ich erst seit ein paar Tagen weiß, dank Running Ahead, ist, dass diese Runde auf die 10,8 km genau 100 Höhenmeter hat. Na ja, dass sie nicht ganz flach ist, wusste ich natürlich schon länger, drei schöne Hügel sind drin, aber flacher geht halt nicht, das ist das Flachste, was ich hier kriegen kann.
Und so lief ich los - gleich von Anfang an etwas schneller als üblich. Es fühlte sich gut an. Der erste Hügel kommt gleich nach 800 Metern und zieht sich etwa einen Kilometer hin. Es lief gut. Dann geht es einen knappen Kilometer leicht bergab, ich bemühte mich, nicht so sehr zu bremsen. Dann kam ich in Pont an und musste dort die Straße überqueren, da muss man immer höllisch auf die Autos aufpassen, aber auch das hab ich gut hingekriegt. Dann ging es in Richtung Pont-et-Massène, es ging den zweiten Hügel hoch, und es lief immer noch gut. Und so langsam reifte die Idee in mir, Mensch Hase, wie wäre es, wenn du heute mal eine richtig gute 10-km-Zeit hinlegst? Es fühlt sich doch gar nicht so schlecht an, das flottere Tempo. Au ja, das machst du.
Und lustigerweise fühlte es sich genau ab dem Augenblick, in dem ich beschlossen habe, heute eine gute 10-km-Zeit hinzulegen, überhaupt nicht mehr gut an. Der Kopf! Aber da muss ich jetzt durch, aufgeben gilt nicht, beiß dich durch, Hase. 4 km lagen hinter mir, dann 5 km, ich kam in St. Euphrône an, durchquerte es, nahm den dritten und letzten Hügel am Ortsausgang in Angriff, und bemühte mich, mein Tempo zu halten. Als ich aus St. Euphrône draußen war, wurde es dann fies - denn auf einmal hatte ich richtig ordentlichen Gegenwind. Wo kommt der denn jetzt auf einmal her? Das ist böse. Wind mag ich nicht beim Laufen. Meine Hügel machen mir nix aus, aber bitte kein Gegenwind! Dem Wind war das natürlich egal, er blies munter weiter, und ich kämpfte weiter - vor allem mit mir selbst. Ich keuchte. Hase, willst du das wirklich durchziehen? Mit Gegenwind so breezen? Ich suchte natürlich nur nach einer Entschuldigung, um langsamer machen zu können, aber nix da, ich gewann den Kampf gegen mich selbst und hielt das Tempo. Ich will mal versuchen, meine Gedanken, die mir dabei so durch den Kopf gehen, in etwa wiederzugeben: "Boah, ist das schlimm. Mist, es tut weh. Lass es sein, Hase. Spaß macht das keinen. Laufen soll doch Spaß machen und nicht wehtun. Is noch weit? Spaß macht das nicht.... ich will jetzt, dass es vorbei ist......" So kämpfte ich mich durch die Kilometer und durch den Wind. Mittlerweile war ich in Villenotte angekommen, und am Ende von Villenotte traf ich dann, wie könnte es auch anders sein, auf meine gefürchtete Allee. Los, Hase. Heute läufst du die Allee so schnell hoch wie noch nie, und dann hat das Leiden ein Ende. Und den nächsten Lauf machst du wieder langsam und gemütlich. Höllisch aufpassen musste ich auch, denn die Allee besteht nun einmal ausschließlich aus Kastanienbäumen, und es liegen jetzt schon eine ganze Menge Kastanien auf der Erde. Auf eine drauftreten und umknicken - das wollen wir doch bitteschön tunlichst vermeiden!!
Als das "Ziel" in Sichtweite war, legte ich nochmal eins drauf. Jetzt hast du dich so lange gequält, jetzt kannst du am Ende auch nochmal alles geben. Die letzten paar hundert Meter sind dann echt die Hölle, boah, ich weiß schon, warum ich kurze schnelle Läufe echt nicht leiden kann, es macht keinen Spaß, an der Kotzgrenze zu laufen, aber dann näherte ich mich meinem 10-km-Punkt, lief durch, schaute auf meine Uhr und hab mich irre gefreut.
Ich bin die 10 km heute in 53 Minuten und 30 Sekunden gelaufen, das habe ich noch nie geschafft. Und das mit Hügeln und Gegenwind.
Ich freu mich und bin schon ein bisschen stolz.
Einfach mal so ganz unvermittelt, ohne das zu planen, eine neue 10-km-Bestzeit hinzulegen, das kommt wirklich gut.
Daheim habe ich gleich den Hasencoach angerufen, um ihm mitzuteilen, wie ernst ich seine Anweisungen nehme und um mir sein Lob abzuholen - das ich natürlich prompt bekommen habe.

Sonntag, 9. September 2007

Weniger ist mehr.

Während die anderen Mitglieder unserer Berliner Stirb-Langsam-Truppe heute garantiert wieder am Streben waren, dass alles zu spät ist, bleibe ich meinem ganz persönlichen Hasenmotto treu: weniger ist mehr. Denn - ich will ja nicht alle Reserven schon vor Berlin verpuffen, nicht wahr? Und so bin ich heute schlappe 22 km gelaufen, nicht viel mehr als einen guten Halbmarathon, und hebe mir den einzigen wirklichen wahren 30er für nächstes Wochenende auf. So mach ich das. Das ist mein ganz persönlicher Hasen-Trainingsplan, der ist durchdacht, präzise und kompakt, und der ist gut. Ich steh da voll und ganz dahinter.

(OK, ich verrate euch, was wirklich los ist. Ich habe einfach eine völlig irrationale Heidenangst, dass mir vor Berlin doch noch eine Verletzung dazwischenkommen könnte, meine beliebteste Horrorversion ist die Achillessehne, und deswegen sag ich mir, weniger ist mehr. Und überhaupt hat vor meinem ersten Marathon auch ein einziger Dreißiger gereicht, warum sollte es diesmal anders sein? Und überhaupt, Finger weg von meiner Paranoia, das singt auch Sven Regener, und der hat nun wirklich immer recht. Trotzig mit dem Fuß aufstampf. Und Klammer zu.)

Heute wollte ich mal wieder mir noch unbekanntes Terrain erhoppeln, und ursprünglich sollte es heute nach Arnay-sous-Vitteaux gehen, wo es unheimlich schön sein muss. Dank Running Ahead hab ich mir eine schöne Route von 23 km ausgetüftelt und mir dann so zum Spaß auch mal die Höhenmeter ermitteln lassen. Diese Höhenmeter-Zahlen sind ja immer mehr oder weniger chinesisch für mich, aber - 400 Höhenmeter auf 23 Kilometer? Das kam mir dann doch viel vor. Das ist viel, oder? Diese Zahl hat mich zumindest so weit abgeschreckt, dass ich mir eine völlig neue Route ausgesucht habe, denn wir laufen nun mal in Berlin, und Berlin ist flach! Was soll ich denn da mit meinem ganzen Höhentraining? Bringt doch nix, da mach ich mir höchstens kurz vorher noch die Achillessehne kaputt....... ooops, haaalt, stopp, böses Gedankengut, sowas darfst du nicht mal denken, Hase, und doch begleiten mich genau diese Gedanken auf Schritt und Tritt!! Schlimm ist das.
Aber ich weiche ab.

Meine Wahl fiel dann auf eine Route im Forêt de St. Jean, das ist ein Wald, der im benachbarten Département Yonne liegt, im Ausland sozusagen, und den ich noch nicht kannte. Diese Route hatte immerhin auch 250 Höhenmeter auf 22 km, aber das ist immer noch besser als 400, und überhaupt renne ich euch in Berlin allen davon, aufgrund meines durchdachten (!) und präzisen (!) und kompakten (!) Höhentrainings.
Haile Gebrselassie, zieh dich warm an.

Vom Lauf selber gibt es eigentlich nichts Besonderes zu berichten, außer dass er mich durch einen richtig schönen Wald führte, was mein Herz natürlich aufleben ließ, denn ich liebe schöne Wälder. Ich habe meinen IPod von vornherein im Auto liegengelassen und bin die ganzen 22 km ohne Musik im Ohr gelaufen, das war auch mal wieder schön.
Irgendwann musste ich dann rrraus aus dem Wald, versteht ihr mich, und kam in das einzige Kaff Dorf, das auf meiner Route lag, nämlich Châtel-Gérard.

Ich bin in einem Kaff Dorf, ich habe bereits über 15 km in den Pfoten, woran denke ich? Richtig. Ans Trinken. Ich hatte keine Lust, extra einen Umweg zu laufen, um eventuell einen Friedhof zu finden, aber das brauche ich doch auch gar nicht mehr, entwickele ich mich doch zu einer perfekten Wasser-Schnorrerin. Ich sah eine Dame auf einem Balkon. Ich ging auf sie zu und fragte sie freundlich, ob sie ein Glas Wasser für mich hätte. Sie schaute mich völlig entgeistert an, als hätte ich sie gebeten, mir schnell einen Apfelkuchen zu backen, und ich warte hier solange, bis er fertig ist. "Na ja, ein Glas Wasser...", wiederholte ich, schon ganz kleinlaut. Die Dame rollte mit den Augen und sagte, ja, sowas habe sie wohl schon, und während sie ins Haus ging, murmelte sie noch, sie würde mir einfach eine ganze Flasche holen, denn was soll ich auch mit einem "Glas Wasser" machen. Da dämmerte mir erst, dass diese Dame absolut nicht realisiert hatte, dass ich mitten am Laufen war, sie dachte wohl, mein Hobby sei es, sonntags bei mir völlig unbekannten Leuten nach Wasser zu schnorren. Einigermaßen beklemmt stand ich also da und wartete, als aus der Garage des Hauses auf einmal ein Mann erschien, der mich gleich mit einem sehr herzlichen "Bonjour!!" begrüßte. Beim zweiten Blick auf ihn fiel mir auf, dass dieser Mann am Down-Syndrom litt. Und im Gegensatz zu der etwas begriffsstutzigen Dame peilte er die Lage sofort. Er fragte mich, ob ich am Laufen sei und ob ich etwas brauche? Ich entgegnete, dass ich gerne ein Glas Wasser hätte und das die Dame schon gefragt hätte, doch er brüllte sofort ins Haus, "Bring doch mal ein Glas Wasser für diese Läuferin mit heraus!" In dem Moment erschien auch die Frau wieder und sagte zu dem Mann, "was soll ich ihr denn ein Glas Wasser geben, ich gebe ihr lieber gleich eine ganze Flasche." Und noch bevor ich etwas entgegnen konnte, hatte der Mann ihr schon die Sachlage erklärt, "aber schau, die Dame ist doch mitten im Laufen, was soll sie denn mit einer Flasche Wasser? Soll sie die etwa beim Laufen mitschleppen? Sie will doch einfach nur einen Schluck Wasser trinken." Darauf schaute er mich an und sein Blick sagte, entschuldigen Sie bitte ihre Begriffsstutzigkeit. Ich zwinkerte zurück. Inzwischen hatte auch die Frau die Sachlage gepeilt, "ach sooo - Sie laufen? Sie wollen einfach nur ein Glas Wasser?", na, das hat aber auch gedauert!, und sie machte sich erneut auf den Weg, diesmal, um mir ein Glas (!) Wasser zu holen. In der Zwischenzeit unterhielt ich mich mit dem netten Herrn, der wissen wollte, wieviele Kilometer ich denn heute laufe. Als ich ihm sagte, na ja, es werden wohl so um die 22, haute es ihn fast um. Damit hab ich ihn aber so richtig beeindruckt. Er sagte nur, "wow, Sie sind aber kein Faulpelz, was? 22 Kilometer, ich fasse es nicht!" Mittlerweile hielt ich auch mein mir hart erarbeitetes Glas Wasser in der Hand, das die Dame, inzwischen schon sehr viel freundlicher, mir gereicht hatte. Ich trank es aus, bedankte mich nett und lief weiter und musste dann noch eine ganze Weile schmunzeln über diese hochinteressante Begegnung und darüber, wer da jetzt wem die Sachlage richtig erklärt hatte. Nett war das.

Als ich nach knapp 22 km dann wieder am Auto ankam, reichte es mir völlig, keinen Meter hätte ich weiterlaufen mögen.
Was für ein Glück, dass ich das auch nicht musste, was? ;-)