Und so habe ich mir heute morgen genau dort meine heutige Route ausgesucht, die mich zunächst über Villenotte nach Grignon führte. Grignon ist ein sehr hübsch gelegenes Dörfchen, das ganz oben an einer extrem steilen Ansteigung liegt, aber da hinzukommen, muss man sich erstmal verdienen - es ging richtig schön ordentlich steil hoch. Ich kam sogar an ein paar Weinbergen vorbei, und die sind im Auxois eher eine Seltenheit. In Grignon angekommen, bewunderte ich die atemberaubende Aussicht und hielt aber gleichzeitig nach einem Brunnen, nach einem Friedhof oder nach irgendetwas Flüssigem Ausschau - leider ohne Erfolg. Hm, trinken wäre jetzt schon nicht schlecht, was mach ich? Laufe ich weiter bis Lantilly, da weiß ich, dass es dort einen Friedhof gibt, oder haue ich das Ehepaar, das dort im Garten arbeitet, um ein Glas Wasser an? Ich hab viel zu lange gezögert, weil ich mir die Variante, nach Wasser zu fragen, eigentlich nur für wirkliche Notfälle aufhebe - aber warum eigentlich? In der Regel sind die Menschen sehr hilfsbereit und freuen sich, wenn sie helfen können. So war es auch in diesem Fall. Ich steuerte auf das Paar zu und fragte sie höflich, ob ich wohl ein Glas Wasser von ihnen bekommen könnte. Der Mann sagte sofort, "ja, aber natürlich!", und seine Frau überschlug sich fast, als sie ins Haus stürzte, um mir Wasser zu holen. Ich nehme mal an, mein roter Kopf tut da auch das Seine dazu.... Die Dame kam mit einem Glas und einer Flasche zurück und sagte zu mir, dass ich die Flasche gerne mitnehmen könne, wenn ich wolle. Ist das nicht lieb? Das habe ich dankend abgelehnt, habe mir das Glas aber gerne zweimal vollschenken lassen. Und als ich dann nach kurzem Smalltalk weitergelaufen bin, hab ich über meine eigene Zögerlichkeit den Kopf geschüttelt, wegen der ich fast um diese zwei erfrischenden Gläser Wasser gekommen wäre. Diese Leute waren riesig nett und wirklich froh, mir helfen zu können!
Von Grignon bis Lantilly ist es dann die ganze Zeit sehr flach - man läuft nämlich auf einer Hochebene, die sich recht weit hinstreckt. Der Wind geht da oben ganz ordentlich, und so war mir trotz der Sonne gar nicht mehr so warm. Als ich in Lantilly ankam, nahm ich mir gleich fest vor - wenn ich wieder Leute sehe, frage ich wieder nach Wasser, das muss ich jetzt üben. Und tatsächlich, auf einer Terrasse saß eine Gruppe von zwei Männern und zwei Frauen, bei denen der Apéritif schon eine ganze Weile anzudauern schien, dem Gelächter nach zu urteilen. Hier frage ich! Nachdem ich mein Bonjour und meine Bitte wieder vorgetragen hatte und die eine der beiden Frauen gleich ins Haus ging, um Wasser für mich zu holen (Wasser gab es bei ihrem Apéritif nämlich keines!) (Warum sind es eigentlich immer die Frauen und nie die Männer, die das Wasser holen?), fragte mich die zweite Dame, schon leicht angesäuselt, ob ich denn wirklich Wasser wolle. Ein schönes Glas Rotwein käme doch sicher viel besser. Und bestimmt käme ich nach einem Glas Wein auch viel schneller wieder bei mir zuhause an - wo auch immer das sei. Naaa? Ich blieb aber standhaft - und beim Wasser.
Dann ging es noch ein paar Kilometer weiter auf der Hochebene, bis ich an eine mir bekannte Kreuzung kam, an der ich mich entscheiden musste, ob ich direkt nach Semur weiterlaufen wollte, oder über Villars und Villenotte, was einen kleinen Umweg bedeutete. Da es mir gutging - dem Wein, äh, dem Wasser sei Dank! - entschied ich mich für die längere Strecke. Und von nun an ging es wieder sehr steil bergab. Da merke ich immer, wie sehr ich bremse. Ich glaube, ich laufe langsamer, wenn es so extrem steil bergab geht, als wenn es bergauf geht. Ich dachte auch an Berlin und dass meine Bergläufe für die Vorbereitung darauf ja mal völlig für die Katz sind, aber was soll's. Deswegen ziehe ich jetzt auch nicht nach Ostfriesland *g*.
Über Villars kam ich nach Villenotte, und nach Villenotte kommt auch schon die berühmt-berüchtigte Semurer Allee, die sich drei Kilometer lang hinzieht und mir jedesmal so vorkommt, als sei sie mindestens 50 km lang, wenn ich ganz am unteren Ende stehe:
Was hilft, um sich das Ganze mental ein bisschen zu erleichtern? Richtig! Die Greif'sche Endbeschleunigung! Je schneller ich laufe, umso schneller hab ich diese gefühlten 50-Allee-Kilometer hinter mir und bin daheim. Und so breezte ich los, was das Zeug hielt. Man kann sich da wirklich daran gewöhnen, an so ein Beschleunigen am Schluss!
Und so kam ich nach 2 Stunden und 51 Minuten vor meiner Haustür an, ausgelaugt, aber glücklich. Geschafft!


















